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Next Stop Uroshima
Yoji Fukuyama zeichnet in »Der Casanova Komplex« ein groteskes Sittenportrait
Text: Zuzanna Jakubowski Illustration: Yoji Fukuyama
Die Liebe älterer Herren zu jungen Mädchen in blau-weißer Schuluniform ist ein breit verbreitetes Japan-Klischee mit allzu realen Wurzeln in der Teenage-Prostitution und Pädophilie, die – mal mehr, mal weniger selbstreferentiell – in Mangas immer auch aufzufinden ist. Yoji Fukuyama, dessen Manga »Mademoiselle Mozart« erfolgreich als Musical aufgeführt und dessen von der konzisen Form des Haiku inspirierter Band »A Day in the Life of Mr. F« 2001 mit dem Japan Media Art Preis ausgezeichnet wurde, nimmt sich dieser Klischees kritisch an und überzieht sie in einem furiosen Spektakel. Ein namenloser älterer Herr steigt durch Zufall in der Provinzstadt Uroshima aus dem Zug. Der Name der Stadt spielt dabei auf ein in Japan allseits bekanntes Märchen vom armen Fischer Urashima Taro an, der nach der Rückkehr von einer fantastischen Reise feststellen muss, dass er ein Menschenalter lang von Zuhause fort war. Auch in Uroshima vergeht jede Nacht eine Jahreszeit, und die Realität verschwimmt immer wieder vor den Augen des Protagonisten. Obwohl beunruhigt, findet er sich doch schnell damit ab, denn in der kleinen Provinzstadt wird so viel und so beiläufig gevögelt, wie man sich anderswo die Hände schüttelt. Aber im Paradies der alten Herren sind auch die alten Frauen unersättlich, und so wird der Protagonist schnell selbst zum Opfer der Begierde anderer: Sexphantasien, Kastrationsängste und Splatter-Visionen vermischen sich zu einer höchst grotesken und ironischen Höllenfahrt eines alternden Casanova.
:: »Der Casanova Komplex« von Yoji Fukuyama, aus dem Japanischen von Tsuwame und Resel Rebiersch, Shodoku/Schreiber & Leser, München 2007, 192 S., € 12,95
:: Schreiber & Leser
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