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»Bestimmte Dinge sind falsch.«
Kein Muster, kein Motiv, kein Faden: Paulus Hochgatterer kleidet seine bösartig-melancholische Sozialstudie »Die Süße des Lebens« in das Gewand des Kriminalromans
Text: Jochen Werner Foto: Lipus/Deuticke
»Ich forsche von Berufs wegen nach den sogenannten Fakten, dachte Kovacs, und im Wahrheit wollen die Menschen betrogen werden.« Die Fakten, denen die Protagonisten von Paulus Hochgatterers Roman »Die Süße des Lebens« nachspüren, betreffen den brutalen Mord an Sebastian Wilfert, einem scheinbar harmlosen alten Mann, am Weihnachtsabend – eine Tat, die nicht nur den als »hochgradig misanthropisches Ermittlungselement« charakterisierten Kommissar Ludwig Kovacs vor Rätsel stellt: »Ich erkenne nichts, dachte er, kein Muster, kein Motiv, keinen Faden. Ich kann der Sache keine Bedeutung geben.« Dem wird zwar auf den allerletzten Seiten des Buches mittels einer äußerst verknappten Auflösung Abhilfe geschaffen, und doch drängt sich der Eindruck auf, dass es sich hierbei lediglich um eine Marginalie handelt. Denn der Österreicher Hochgatterer legt mit »Die Süße des Lebens« mitnichten einen Kriminalroman vor, obgleich er sein Werk ganz klassisch vom Verbrechen bis zur Klärung strukturiert. Vielmehr kreiert er multiperspektivisch und vielschichtig ein Psychogramm der österreichischen Gesellschaft und bringt dabei so viele Psychopathen unterschiedlichen Zuschnitts ins Spiel, dass die gruseligste Vorstellung am Ende die ist, dass nur einer unter ihnen tatsächlich als der gesuchte Mörder entlarvt werden kann. Dessen Identität – so viel kann hier verraten werden – wird im Text auf geschickte, der hohen Kunst des Detektivromans verpflichtete Weise verschlüsselt, und doch entzieht sich ihre Offenbarung letztlich den Mechanismen des Genres, um die zuvor kunstvoll geknüpften Fäden von Hochgatterers Gesellschaftsmodell unbeschadet zu lassen. Alle weiteren schwelenden Konflikte lässt das Buch schmerzhaft offen.
Wenigstens die Katze
»Es gab Tage, die begannen besonders früh. Schlaftrunken versuchte man sich zu suggerieren, dass es nichts mit einem selbst zu tun hatte, aber das nützte wenig. Man schaute sich um und es war nichts da, das einen froh stimmte. Außer vielleicht, dass die Katze noch lebte.« In seinem Grundton wie in seiner Erzählweise knüpft »Die Süße des Lebens« an die Hauptwerke des jüngst immer wieder so starken österreichischen Kinos an, die ebenfalls zielsicher einen so melancholischen wie bösartigen, so depressiven wie schwarzhumorigen und bei aller geschickten Ästhetisierung immer im Alltag geerdeten Ton treffen. Anders als in den zynischen Zerrbildern Ulrich Seidls lässt Hochgatterer jedoch für einige seiner Protagonisten – den Psychiater Raffael Horn etwa, den sich aus dem ihm unerträglichen Leben in die popmusikalischen Fluchten seines iPod zurückziehenden Pater Joseph Bauer, oder auch den desillusionierten Kommissar Kovacs – durchaus Sympathien zu. Darin ist sein Roman eher den Filmen Barbara Alberts verwandt, die mit dem ebenfalls episodisch-multiperspektivisch erzählten »Böse Zellen« (2003) eine in ähnlicher Weise scharfe wie düstere Studie der österreichischen Gesellschaft erstellte, ohne dabei in die konstruierte Gewolltheit eines Michael Haneke abzugleiten. Auch Hochgatterer macht nie den Fehler, seine Helden (und Antihelden) und ihre Geschichten zu bloßen Rädchen im Erzählgetriebe abzuwerten, sondern lässt ihnen ihre Würde, indem er ihre Gedanken und ihre Bilder nicht zu straff einem Konzept unterwirft. Für einen Roman, der von Menschen erzählt, wäre dies tödlich, das weiß Hochgatterer genau: »Die Dinge hängen nicht zusammen. Der Zufall schafft Bedeutung.«
:: Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens, Roman, Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien 2006, 294 S., €19,90
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kerstin hajek / 30.04.2008 / 18:43
Sehr geehrtes Goon-magazine!
Mein Name ist Kerstin Hajek und ich besuche die 2. Klasse der HLMW9 Michelbeuern in Wien. Ich muss ein Projekt vorbereiten und brauche dafür ein Foto von dem Schriftsteller Paulus Hochgatterer. Ich habe bemerkt, dass Sie ein Foto von ihm auf Ihrer Seite haben und wollte anfragen, ob ich dieses Foto kopieren darf für eine Präsentation und eine Ausarbeitung. Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir so schnell wie möglich bescheid geben könnten.
Ich bedanke mich schon im Vorhinein.
Mit freundlichen Grüßen
Kerstin Hajek