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:: Epiphany Outlet 20 - Winter 2006/07
Text: Renko Heuer
Kalt ist es geworden. Nicht nur in den in gähnenden Straßenschluchten, auch im rotierenden Herzen des CD-Players, der vor wenigen Wochen noch immerfort heißgelaufen ist, als ein gewisser Grizzly Bear aus Brooklyn dahergelaufen kam. Inzwischen muss Mr. Player entweder im Standby-Modus vor sich hinschlummern oder aber die hochkarätigen Kamellen der vergangenen Monate (und Jahre!) erneut durchkauen. Man könnte fast Mitleid haben. Was ist bloß passiert? Nun, die Antwort ist so schleierhaft wie ernüchternd: Eine vollwertige Epiphanie ist schlichtweg ausgeblieben. Sie war entweder nicht vorgesehen oder b) wurde übersehen, oder c) überhört oder d) ist in der Post verschollen. Dabei haben es einige der glitzernden 5inch-Brocken immerhin gelegentlich in die Peripherie eines epiphanieähnlichen Höhenflugs geschafft. Home Video aus New Orleans/Brooklyn zum Beispiel. Deren Debütalbum (»No Certain Night Or Morning«, Defend Music) erscheint nun nicht, wie vor zwei Jahren nachdrücklich angeteased, bei den wuchernden Warpstern. Auch wenn die zwischen Electro und anspruchsvollem Avant-Pop oszillierende zeitliche Unsicherheitszone des Duos weitaus besser als der britische NME-Quark schmeckt, ist das zündende Moment doch irgendwo auf halber Strecke liegengeblieben. Dann doch lieber ein DVD-Abend, auf der Couch rastend. Rastlos indessen fährt Caural, bürgerlich Zachary Mastoon, allzu gerne durch die Lande, wenn er beispielsweise mit Nobody, Daedelus, Busdriver oder Dosh auf Tour ist. Sein nach Gastspielen auf Chocolate Industries nunmehr erscheinendes Album (»Mirrors for Eyes«, Mush Records) reist dabei beharrlich im Handgepäck, und man findet selbst so hochwertige Destinationsaufkleber wie PRF (Prefuse), FRT (Fourtet) und BBP (Boom Bip) auf dem organischen Sampler-Case. Der Gitarrencase, sonst das Versteck des wichtigsten Spielzeugs im Leben des Omar Rodriguez-Lopez, war dieses Mal nicht bedeutsamer als die digitale Studiolandschaft, in der The Mars Volta ihr drittes Album (»Amputechture«, GSL/Universal) besiegelt haben. Denn Cut’n’Paste-Elemente à la »Amnesiac« (namensverwandt?) bzw. Vocal-Pitch-Exkurse im Stile eines Quas werden regelmäßig wie Haken aus der sonst nicht mehr allzu neuen Prog-Wand gerissen. Aber wer weiß – ein Album von TMV kann schon mal 50 Spins brauchen, bis es gänzlich verdaut ist. Nicht zu verdauen ist hingegen das zweite Album von Dr. Octagon. Erinnern wir uns: »Octagonecologyst« vor zehn Jahren, es war wunderbar mies und verachtenswert und grandios, auf Mo’Wax, von Dan The Automator produziert, mit nasty Sexelementen und sonstigem HipHop-Dreck bestückt. Der vermeintliche Nachfolger (»The Return of…«, Casual) ist dagegen eine keusche Stippvisite in der Schwarzwaldklinik. Dann schon lieber ins metaphorisch-heiße Frankreich: So geschehen im Spielzeugwunderland Moshi Moshi, denn deren neustes Signing heißt Hot Club de Paris. Ihr Debütalbum (»Drop It `Til It Pops«, Moshi Moshi) zeigt, dass die Moshis auch jugendlich-druckvoller können, mehr Post als Punk bzw. mehr Art als Rock und mehr Liverpool als London sind. Doch hier – daheim –, da erfreut sich der CD-Player so heimlich wie hauptsächlich an der Tatsache, dass er schon wieder auf ein ganzes Jahr zurückblicken kann. Ein Jahr mit Fink, mit besagten Grizzly Bear, Cougar, TV on the Radio, Hot Chip, mit Bibio und sogar einer Sorte von Tapes’n’Tapes, die nicht nur in den Player passen, sondern noch immer dem ehrwürdigen Titel dieser Textreihe gerecht werden.
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